Der vernetzte Teller

Wie behandelt man die komplexen Fragen rund um das Thema Ernährung auf einfache und spielerische Weise? Mit dem Rollenspiel «Der vernetzte Teller» (Les ficelles de mon assiette) können sich Schüler/-innen der Primar- und der Sekundarstufe I bewusst machen, welche wechselseitigen Abhängigkeiten bestehen. Das Unterrichtsmaterial wurde von zwei belgischen Vereinen konzipiert und durch éducation21 an den schweizerischen Kontext angepasst. Rachel Bircher May, Fachberaterin in Hauswirtschaft an der PH Wallis, hat sie in einer Klasse der Sekundarstufe I ausprobiert.

Können Sie uns die Aktivität erklären?
Jede Schülerin und jeder Schüler erhält eine «Identität»: Ein Lebensmittel, das man täglich isst (Schokolade, Zucchini, Apfel), oder jemanden oder etwas, das damit im Zusammenhang steht (Boden, Luft, Landwirt, Verbrennungsanlage, Supermarkt etc.). Jeder muss dann herausfinden, was ihn mit den anderen Identitäten verbindet. Diese Verbindungen werden mit einem Faden veranschaulicht, der von Schüler/ in zu Schüler/-in verläuft. Dadurch erkennen sie, dass zum Beispiel der Salat mit dem Wasser, dem Kunststoff und dem Erdöl verbunden ist und dass Letzteres wiederum mit dem LKW-Fahrer, der Luft und dem Boden zusammenhängt. Anschliessend äussern sich die Jugendlichen über ihre Gefühle im Zusammenhang mit der Aktivität, Verbindungen werden geklärt und Möglichkeiten für individuelle und kollektive Verhaltensänderungen diskutiert.

Welche Rückmeldungen erhielten Sie von den Schülerinnen und Schülern?
Ihnen hat das Rollenspiel gefallen, besonders die Visualisierung der Verbindungen mit dem Faden. Mit dem Austausch über die Emotionen fühlten sie sich jedoch nicht richtig wohl. Bei der Ermittlung von Alternativen hingegen sprudelten die Ideen nur so.

Was ist das Ziel dieser Lektion?
Es wird am Konsumverhalten der Schüler gerüttelt, eine Auseinandersetzung mit den eigenen Entscheidungen und ihren Auswirkungen auf den Planeten wird klar und die wesentliche Frage muss gestellt werden: «Was kann und muss ich in meinem Alltag ändern, damit meine Erkenntnisse umgesetzt werden können?» Persönlich würde ich im Anschluss eine «Aktivität in der Küche» durchführen. Andere Anschlussaktivitäten kann man zum Beispiel auch in Natur, Mensch Gesellschaft oder dem Allgemeinbildenden Unterricht machen (wechselseitige Abhängigkeiten, Gesundheit und Wohlergehen).

Haben Sie Empfehlungen für die Lehrpersonen?
Diese einfach durchzuführende Lektion fördert das Reflektieren der Schüler/-innen. Man muss sie als Initialfunken sehen, dem weitere Vertiefung im Unterricht oder konkrete Aufgaben folgen müssen: Küchen-Aktivität (Pausenbrot), Klassenprojekt (Flyer zugunsten lokaler Lebensmittel), Schulprojekt (Anlegung eines Gartens) etc. Wie bei allem, was mit Werten zu tun hat, ist es wichtig, einen moralschwangeren Ton zu vermeiden und eher das kritische Denken und die Übernahme von Verantwortung zu fördern.

Rachel Bircher May, Fachberaterin in 
Hauswirtschaft an der PH Wallis   

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Marie-Françoise Pitteloud
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