«Unsere Lernenden denken über den Betrieb hinaus»

Bei der Ernst Schweizer AG in Hedingen wird Nachhaltige Entwicklung seit bald 40 Jahren grossgeschrieben. Die Vernetzung von ökologischen, ökonomischen, sozialen und gesundheitlichen Anliegen findet nicht nur im Leitbild statt, sondern wird täglich 1 zu 1 im Betrieb gelebt. Xavier Nietlisbach, Leiter Berufsbildung, zeigt im Interview auf, wie sich die Lernenden mit Nachhaltiger Entwicklung auseinandersetzen. 

Herr Nietlisbach, was machen sie konkret bezüglich Nachhaltiger Entwicklung in der Ausbildung von Lernenden?
Um unsere anspruchsvollen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, müssen im Betrieb alle am gleichen Strick ziehen. Das hinterlässt Spuren in allen Betriebsabläufen und färbt automatisch auf die Lernenden ab. Daneben führen wir regelmässig Bildungsanlässe durch. In der Zukunftswerkstatt in Cudrefin zum Beispiel haben wir mit den Lernenden nicht nur über die Zukunft nachgedacht, sondern am Gebäude des Zentrums gleich noch eine Fassade gebaut. Im Bluecamp führten die Umweltorganisationen myclimate und myblueplanet unsere Lernenden im Rahmen einer Klimawerkstatt in verschiedene Themen der Nachhaltigkeit ein und leiteten sie zur Projektarbeit in Gruppen an. Dabei entstanden u.a. ein nachhaltiges Kochbuch oder die Idee zum Recycling von Spraydosen. Letzteres ist heute Bestandteil des Entsorgungskonzepts der Firma.

Wie werden Verknüpfungen zwischen Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft hergestellt? Ist systemisches Denken ein Thema?
Diese Verknüpfungen sind bereits in unserem Leitbild angelegt und systemisches Denken ist in allen Betriebsabläufen gefordert. Dabei legen wir grossen Wert darauf, dass die Lernenden nicht nur Arbeiten einfach ausführen, sondern wissen, warum sie das auf bestimmte Art tun. Ihnen soll auch bekannt sein, was sich die vorgelagerte Stelle überlegt hat und welche Bedürfnisse seitens der nachgelagerten Stelle bestehen. Ein Produktionsmechaniker muss deshalb auch einmal in der Montage arbeiten, was im Lehrplan nicht verlangt wäre. 

Welche Kompetenzen sind für Sie wichtig?
Das Denken in Zusammenhängen und das Erfassen von Vorgängen auch über den Betrieb hinaus sind wichtige Kompetenzen, die wir vermitteln. Unsere Lernenden sollen sich eine eigene Meinung bilden können und bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Während der Sicherheitswoche 2012 wurde die ganze Belegschaft von Schweizer auf Sicherheitsfragen sensibilisiert. Dies geschah nicht etwa durch Expert/-innen der SUVA, sondern mit Hilfe der Lernenden: Sie gestalteten selbständig Posten zu den verschiedenen, vorgegebenen Themen, was sehr gut ankam.

Welche Unterstützungsmassnahmen zugunsten der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) wären für Sie wichtig?
Pilotprojekte sind ein gutes Mittel in der BNE. Sie sollten am besten zusammen mit der Wirtschaft, den Berufsschulen und –verbänden von innen heraus entwickelt werden.  Da der Bildungsauftrag in den Betrieben bereits sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, muss BNE verstärkt in die Bildungspläne der Berufsfachschulen integriert und nicht nur einfach aufgesetzt werden. Auch die Vernetzung mit anderen Bildungsbeauftragten ist wertvoll.

vollständiges Interview

Gast

 

 

 

   

 

Xavier Nietlisbach
Leiter Berufsbildung

 

Links

Projekte entstanden im Bluecamp

Bluecamp

Energie- und Klimawerkstatt

Zukunftswerkstatt Cudrefin

 

Zusatzinformationen

Beitrag in Folio 05/2017

BNE in der Berufsbildung

 

 

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