Jugendliche lernen politisch denken

  
Für mehrere 10 000 Kinder hat die Schulzeit vor ein paar Wochen begonnen. In elf Jahren werden sie die obligatorische Schule verlassen. Drei eidgenössische Parlamentswahlen und unzählige weitere Demokratiemomente jeder Art werden sie in der Zeit erleben. Zum Start in den Wahlherbst haben wir Prof. Dr. Béatrice Ziegler im Berner Politforum Käfigturm zum Interview getroffen.

Was nehmen Schulabgänger/-innen in Bezug auf politische Bildung nach der obligatorischen Schulzeit idealerweise mit auf den Weg?
Prof. Dr. Béatrice Ziegler: Es geht um das Interesse an der Politik. Damit meine ich sowohl die quasi offizielle Politik auf den Ebenen Bund, Kanton und Gemeinde als auch Interesse an Gesellschafts-fragen: Wie kann man mit Konflikten umgehen? Wie kann man Lösungen aushandeln? Wie findet man gute Regelungen, mit denen alle Beteiligten leben können? Das sollen die Jugendlichen lernen und Interesse für die nicht immer leichten Aushandlungsprozesse entwickeln.

Wie würden Sie dieses Anliegen in Kompetenzen formulieren?
Politische Bildung formuliert Kompetenzen wie folgt: Es gibt eine Handlungskompetenz, eine Argumentations- und Urteilskompetenz sowie eine Methodenkompetenz. Je nach Modell gibt es Unterschiede, aber im Wesentlichen sollten die Schüler/-innen in diesen Kompetenzen gefördert werden. Sie sollen lernen, politisch zu denken, sich eine Meinung zu bilden und ein Urteil zu fällen, um dann auch ihre Stimme abzugeben. Diese Kompetenzen befähigen aber auch dazu, aktiv zu werden und selber etwas in Gang zu bringen.

Wie kann ich als engagierte Lehrperson politische Bildung auf die Ebene meiner Schule als Ganzes bringen?
Wenn eine Lehrperson die Initiative für verstärkte politische Bildung ergreifen möchte, braucht sie das Gespräch mit der Schulleitung sowie mit den Kolleg/-innen. Es ist sicher auch gut, entsprechende Angebote der PHs zu prüfen. Im Gespräch lässt sich dann herausfinden, welche spezifischen Bedürfnisse an der Schule wichtig sind.