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Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) | Das Portal

Öko-Portfolio GIBB

Ökologie ist weniger eine Frage des zusätzlichen Bewirkens, als des kreativen Unterlassens

Interview mit Werner Düro, Fachlehrer Starkstrom, Telematik und Ökologie

Werner Düro, wie kamen Sie auf die Idee des Öko-Portfolios?
Ökologie ist mir schon seit Jugendzeiten ein Herzensthema. Leider ist nicht immer Zeit im Unterricht, um ein ökologisches Thema in einer didaktisch wertvollen Kette oder in seiner Gesamtheit einzubringen. Volle Bildungspläne und teils überforderte Lernende stehen dem oft entgegen.  Ich suchte trotzdem immer weiter nach einer Möglichkeit, den Aufbau von Umweltkompetenzen mit einer konstanten Regelmässigkeit in den Unterricht einbringen zu können. Im Rahmen meines EHB-Studiums lernte ich das Schülerportfolio als Unterrichtsergänzung kennen, sah sofort ein bedeutsames Potential für meine Absichten darin und entwickelte daraus das Öko-Portfolio, in dem neben den ökologischen Kompetenzen auch Sozial- und Methodenkompetenzen erfasst werden.

Was erreichen Sie mit dem Öko-Portfolio bei Ihren Lernenden? Welche Kompetenzen sind für Sie wichtig?
Mir geht es primär darum, dass junge Menschen eine gewisse ökologische Sensibilität entwickeln. Ökologie bedeutet meines Erachtens nicht, dass man bestimmte Strukturen erfüllen muss, wie wir es in der üblichen Bildung oft erwarten. Für mich hat es zu allererst mit einer gezielten Aufmerksamkeit und einer darauf folgenden Handlungsänderung zu tun. Mit dieser Aufmerksamkeit kann man zunehmend die eigenen Gewohnheiten überdenken und verändern. Und nur damit, mit Gewohnheitsänderungen, hat Ökologie eine Chance bei uns, denn das gesellschaftliche Konsumverhalten nimmt auf ökologische Aspekte aktuell nur unzureichend Rücksicht.

Durch die selbstgesteuerte Einarbeitung in ein ökologisches Thema sehe ich recht hohe Chancen, dass sich diese ökologische Sensibilität schrittweise entwickeln kann.

Engagieren sich die Lernenden für ihr Portfolio? Mit welcher Motivation?
Im Durchschnitt nehmen ca. 20-25 % der Lernenden das Angebot wahr. Die Motivation für den ersten Portfoliobeitrag finden die Schülerinnen und Schüler stets in der Notenbewertung ihrer Arbeit, welche in ein themenangrenzendes Schulfach einfliessen darf und dabei nicht negativ ausfallen kann. Damit können sie schlechte Leistungen in einem Fach etwas kompensieren, das regt sie grundsätzlich an.
Nach dem ersten Beitrag erkennen manche Lernende dann den realen Wert ihrer Arbeit und merken, dass sich ihr Wissen und ihre Kompetenzen diesbezüglich deutlich erweitert haben. Das ist eigentlich der Moment, den es anzustreben gilt. Es folgen automatisch weitere Beiträge, unabhängig vom schulischen Notenstand.
Durch die Annahmefrist von Zielvereinbarungen im laufenden Semester bis zu den Herbst-, respektive Frühlingsferien verhindere ich, dass z.B. im Dezember aus rein notentechnischen Gründen noch schnell ein Beitrag verfasst wird, dem dann die Tiefe und die Ernsthaftigkeit fehlen.

Weshalb fokussieren Sie das Portfolio auf den Aspekt der Ökologie?
Unserer Gesellschaft scheint die Bedeutung der Ökologie überhaupt nicht bewusst zu sein. Tagtäglich setzt jeder von uns Prioritäten, die in keinem Verhältnis zur Bedeutung von Ökologie stehen. Wir Menschen sind im Begriff unsere Biosphäre fundamental zu schädigen und – wenn es so weitergeht – sie zu zerstören. Schon heute sind viele natürliche Kreisläufe völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Wenn unsere Lebensgrundlagen weiter beeinträchtigt werden und uns irgendwann die Luft und das Wasser ausgeht, welche Bedeutung haben dann noch die Themen, die uns heute als wichtig erscheinen? Egal ob es um Kriege geht, um Arbeitsplätze, um Flüchtlingspolitik, um Wirtschaftsentwicklung, um Bildungsentwicklung, alles wird völlig gleichgültig sein, wenn uns erstmal die Lebensgrundlagen dahinschwinden. Deshalb gibt es für mich nur die einzige Priorität, unsere Gesellschaft zu einem zügigen Umdenken und zur Besinnung anzuregen.  Das sehe ich persönlich nicht als Pessimismus, sondern als realistische und logische Schlussfolgerung nach fast 30 Jahren ökologischen Engagements.

Was bedeutet das Öko-Portfolio für die Rolle der Lehrperson? Wo sind Sie als Lehrperson in diesem Projekt mit den Lernenden besonders gefordert?
Ich möchte es keineswegs beschönigen oder relativieren, es  bedeutet natürlich einen Mehraufwand, insbesondere in der Einführungszeit. Käme es soweit, dass alle Schüler mitmachen wollten, hätte ich selbst ein echtes Zeitproblem. Konkret geht es dabei um das gewissenhafte Prüfen und Bewerten der Arbeiten, wofür es einfach Zeit braucht, die (noch) keine Lohnrelevanz hat. Aber im fünften Jahr seit seiner Einführung kann ich den Aufwand des Öko-Portfolio-Projektes als durchaus überschaubar und verkraftbar umschreiben.
Eine wichtige erste Anforderung an die Lehrperson ist die Selbstreflektion der eigenen ökologischen Kompetenzen, damit man den Lernenden nur die Themen zugesteht, die man selbst auch tatsächlich prüfen und bewerten kann. Das gibt dem Projekt einen ersten Rahmen.
Eine mögliche Alternative würde ich hier in Arbeitsgruppen mit mehreren interessierten Lehrkräften sehen, deren ökologische Kompetenzen sich ergänzen und die bereit sind, gegenseitig Arbeiten aus unterschiedlichen Schulklassen zu bewerten.

Wie haben Sie das Öko-Portfolio an der GIBB etablieren können? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Damals habe ich das Projekt im Alleingang gestartet und eigenverantwortlich im Unterricht integriert, nachdem ich die rechtliche Seite bezüglich der Bewertung überprüft hatte. In den Folgejahren habe ich das Projekt immer wieder einmal erwähnt und es vielen Kolleginnen und Kollegen detailliert erläutert. Zudem habe ich die Projektunterlagen in unserem Intranet zur freien Verfügung bereitgestellt. Es folgten diverse Anlässe intern und extern, bei denen man mich um Präsentation des Öko-Portfolio gebeten hat.

Das Interesse und die Akzeptanz waren jeweils recht gross. Ich kann allerdings keine genaue Aussage treffen, wer tatsächlich danach auf meine Unterlagen zugegriffen und sich diese für den Selbstgebrauch entsprechend angepasst hat. Ich habe aber öfters auch gehört, dass Lehrkräften der Aufwand zu hoch erschien.

Trotzdem hoffe ich, dass sich vor allem Lehrpersonen der Bedeutung von Ökologie und dem Erhalt unserer Lebensgrundlagen bewusst werden und ihr Engagement steigt, denn sie stehen an der wichtigsten „ökologischen Front“: Der Aufklärung und Sensibilisierung unseres Nachwuchses.

W. Düro freut sich über den Austausch mit Lehrpersonen, welche die Idee des  Öko-Portfolios in ihren Unterricht integriert haben.

Kontakt

Barbara Meili
tel +41 31 321 00 63
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