Rassismusprävention beginnt bei uns selbst

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Rassismus im Schulalltag zeigt sich oft subtil: in der Sprache, Erwartungshaltungen oder unbewussten Annahmen. Wer als Lehrperson die eigene Haltung reflektiert, kann wichtige Impulse für ein respektvolles und gerechtes Lernumfeld setzen.

Lehrpersonen spielen eine zentrale Rolle dabei, Schule und Unterricht diskriminierungsfreier und rassismuskritischer zu gestalten. Das setzt aber voraus, dass sie die eigene Haltung und das eigene Handeln reflektieren. So gelingt es ihnen, sensibler auf unterschiedliche Lebensrealitäten zu reagieren und Diskriminierung im Schulalltag besser zu erkennen und zu thematisieren.

Bewusstsein für eigene Privilegien

Ein erster Schritt: sich der eigenen gesellschaftlichen Position und möglicher Privilegien bewusst zu werden. Die Reflexion darüber, ob ich schon einmal wegen der Hautfarbe beleidigt oder ausgeschlossen, oder die eigene schulische Leistung mit der Herkunft erklärt oder relativiert wurde, helfen dabei – unabhängig davon, wie man sie beantwortet – zu verstehen, was viele unserer Schülerinnen und Schüler oder auch Kolleginnen und Kollegen erleben. Es hilft uns nachzuvollziehen, dass es gesellschaftlich gesetzte Normen gibt, die hinterfragt werden müssen, weil sie gewisse Menschen ausschliessen oder sie ihnen anderweitig schaden. 

Reflexion meiner Sprache, meines Verhaltens und meiner Wahrnehmung von Schülerinnen und Schülern 

Auch wenn Lehrpersonen ihren Beruf hoch professionell ausüben – sie sind gleichzeitig Menschen und agieren subjektiv. Und alle Menschen sind von ihrer Sozialisation geprägt. Damit ist der Schulalltag auch eine subjektive, in der Interaktion gemeinsam konstruierte Realität, die mit unseren Einstellungen, unseren Handlungen, unserer Kommunikation und Interaktion geschaffen wird. Da wir alle diese Realität beeinflussen, ist es wichtig, die eigene Sprache, Handlungen und Reaktionen zu hinterfragen. So erkennen wir, ob sie durch Vorurteile beeinflusst sind. Das funktioniert zum Beispiel mit diesen Fragen: 

  • Habe ich schon einmal eine Schülerin / einen Schüler nach ihrer / seiner «eigentlichen Herkunft» gefragt?
  • Habe ich schon Aussagen gemacht wie «Du sprichst aber gut Deutsch» gemacht, obwohl das Kind hier aufgewachsen ist?
  • Nehme ich bei einem Konflikt an, dass bestimmte Gruppen problematischer sind?
  • Verbinde ich bestimmte Fähigkeiten von Schülerinnen und Schülern (z. B. in Sport oder Mathematik) automatisch mit ihren Herkunftsländern? 
  • Sind meine Erwartungen an Leistung und Verhalten an gewisse Schülerinnen und Schüler generell höher oder niedriger? 

Reflexion zu konkreten Situationen an Schule und im Unterricht

Es ist wichtig, dass ich als Lehrperson rassistische Diskriminierung nicht übergehe, sondern anspreche, nachfrage und Betroffene unterstütze. Es ist okay, sich dabei unsicher zu fühlen. Entscheidend ist die Bereitschaft, aus Erfahrungen zu lernen und das eigene Handeln weiterzuentwickeln. Die Reflexion umfasst, was in einer Situation passiert ist, wie man reagiert hat, wie man sich gegenüber Betroffenen, Beteiligten und Beobachtenden verhalten hat und was man künftig anders oder wieder gleich machen würde. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Unterstützung die Lehrpersonen im schulischen Umfeld brauchen.

Reflexion über die Unterrichtsgestaltung

Eine diskriminierungs- und rassismuskritische Haltung soll fester Bestandteil des Unterrichts sein, auch wenn das Thema nicht ausdrücklich behandelt wird. Dazu gehört, dass ich als Lehrperson Lehrmittel, Sprache und didaktische Zugänge kritisch prüfe: Werden unterschiedliche Lebensrealitäten angemessen dargestellt? Werden Stereotype vermieden? Werden Machtverhältnisse, Privilegien und Diskriminierung sichtbar gemacht? Ziel ist ein Unterricht, der multiperspektivisch gestaltet ist, sensibilisiert und diskriminierende Darstellungen und Sprache vermeidet.

Themendossier

Im aktualisierten Themendossier «Gemeinsam gegen Rassismus» finden Lehrpersonen vertiefte Informationen zum Umgang mit diskriminierenden Situationen im Schulalltag, der Auswahl von Lehrmitteln und Tipps für Lernmedien zum Thema aus unserem Katalog: Themendossier

Links

Weiterbildung rassismuskritische Schule 
 

Artikel «Ich bin doch nicht rassistisch. Oder?» 

Kontakt

Dr. Bettina Frei
Direktion + Stab
Expertise Rassimusprävention
+41 31 321 00 40