Schule

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Die Schule ist ein zentraler Ort der Sozialisation. Kinder und Jugendliche lernen hier, wie Zusammenleben, Zugehörigkeit und Gerechtigkeit gestaltet werden. Rassismusprävention ist deshalb keine Zusatzaufgabe, sondern ein wichtiges Element in der Schulentwicklung. Sie betrifft den Unterricht, die Schulkultur, Beziehungen, Strukturen und Handeln aller Beteiligten.

Wir schlagen als Startpunkt fünf schulrelevante Diskurse vor und zeigen konkrete Handlungsmöglichkeiten auf: 

Vielfalt und Diversität mehrperspektivisch betrachten

Vielfalt sichtbar zu machen ist wichtig. Gleichzeitig braucht es mehr als eine positive Erzählung von Diversität. Eine rassismuskritische Schule fragt auch danach, welche Normen im Schulalltag wirken, wer als «zugehörig» gilt und wer als «anders» definiert wird. Welche Bilder, Erwartungen oder Zuschreibungen wirken im Schulalltag mit? Erst diese kritische Perspektive macht sichtbar, wo Diskriminierung entsteht und wie ihr begegnet werden kann.

Diskriminierung intersektional und differenziert verstehen

Menschen werden oft nicht nur wegen eines Merkmals benachteiligt, sondern auch durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren, etwa (zugeschriebener) Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht oder Sprache. In Bezug auf Rassismus heisst das, dass nicht alle Betroffenen Rassismus auf die gleiche Weise erleben. Für die Schule bedeutet das, dass die Lehrpersonen und Schulleitungen genauer auf unterschiedliche Lebensrealitäten und Formen von Diskriminierung achten müssen. So kann die Schule die Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler differenziert betrachten und passend reagieren.

Migration mitdenken, aber Rassismus nicht darauf reduzieren

Rassismus wird oft vorschnell nur mit Migration verbunden. Migration ist ein wichtiger Bezugspunkt. Aber auch ohne Migrationshintergrund können Menschen als «nicht-zugehörig» gelesen, stereotypisiert oder benachteiligt werden. Eine rassismuskritische Schule weitet deshalb den Blick auf Fragen der Zugehörigkeit, des Othering und strukturellen Benachteiligung aus.

Mit Kindern früh und altersgerecht über Rassismus sprechen

Vorurteile entstehen früh. Kinder nehmen Unterschiede wahr, lernen soziale Kategorien und übernehmen Bewertungen aus ihrem Umfeld lange bevor sie diese bewusst reflektieren können. Deshalb beginnt Rassismusprävention nicht erst in höheren Klassen, sondern bereits in der frühen Bildung: mit Sprache, Bilderbüchern, Regeln des Zusammenlebens, Gesprächen über Fairness, Zugehörigkeit und Ausgrenzung sowie mit altersgerechten Möglichkeiten, Ungerechtigkeit zu erkennen und anzusprechen.

Fehlerkultur heisst Verantwortung übernehmen

Eine rassismuskritische Schule muss nicht perfekt sein. Entscheidend ist, wie sie mit Vorfällen, Unsicherheiten und blinden Flecken umgeht. Eine Fehlerkultur zu leben bedeutet, Rückmeldungen ernst zu nehmen, eigenes Handeln zu reflektieren, Strukturen zu hinterfragen und Verantwortung zu übernehmen: Was sagen wir? Was übersehen wir? Und was müssen wir verändern? So wird Rassismusprävention zu einer gemeinsamen Aufgabe der gesamten Schulgemeinschaft.

Was das für Schulen konkret bedeutet

Rassismusprävention soll in der Schule in Vision, Führung, Unterricht, Lernumfeld, Weiterbildung, Zusammenarbeit und institutionellen Praktiken verankert werden. So entsteht Schritt für Schritt eine Schule, die Vielfalt anerkennt, Diskriminierung klar anspricht und Verantwortung gemeinsam trägt. Unser Themendossier «Gemeinsam gegen Rassismus» empfiehlt einen Whole School Approach: Er verbindet Schulentwicklung, Unterricht und Schulkultur. 

So kann eine Schule konkret vorgehen:

  • Verbindlichkeit schaffen: Eine gemeinsame, gesamtschulische Haltung zu Rassismus und Diskriminierung wird im Leitbild oder in einem Konzept festgehalten. 
     
  • Zuständigkeiten klären: Wenn möglich wird eine Schlüsselperson benennt, die Wissen aufbereitet und vermittelt und Prozesse begleitet. 
     
  • Im Unterricht und Schulalltag thematisieren: Lernende setzen sich stufengerecht und wiederkehrend mit Rassismus, Vorurteilen, Geschichte, Zugehörigkeit und Gerechtigkeit auseinander. So wird Rassismusprävention niederschwellig in Unterricht und Schulalltag integriert, statt sie nur in Einzelprojekten zu behandeln. 
     
  • Strukturen prüfen: Schulinterne Abläufe, Materialien, Routinen und Bewertungspraxen werden auf diskriminierende Mechanismen hin überprüft. 
     
  • Sensibilisieren und Fachlichkeit aufbauen: Lehrpersonen, Schulleitungen und weitere Schulmitarbeitende erhalten Weiterbildung, fachliche Begleitung und Räume für Austausch und Reflexion. 
     
  • Partizipation ermöglichen: Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie schulnahe Partnerinnen und Partner wie die Gemeinde oder externe Fachstellen werden in die Entwicklung einer rassismuskritischen Schulkultur einbezogen. 
     
  • Praxis institutionalisieren: Prävention, Intervention und Reflexion werden nicht punktuell, sondern dauerhaft im Schulalltag verankert. 

Warum das wichtig ist

Rassismus widerspricht den Menschenrechten, den Rechten des Kindes und den Grundsätzen von Teilhabe und Chancengerechtigkeit. Die Schule hat deshalb die Aufgabe, nicht nur auf Vorfälle zu reagieren, sondern Bedingungen zu schaffen, unter denen Respekt und Zugehörigkeit aktiv gelernt und gelebt werden können. Eine rassismuskritische Schule schützt nicht nur Betroffene besser – sie stärkt das Zusammenleben aller. 

Sie möchten Rassismusprävention an Ihrer Schule verankern?

Entdecken Sie Materialien, Praxisbeispiele und Anregungen für eine rassismuskritische Schulentwicklung:

Themendossier «Gemeinsam gegen Rassismus»

Praxisbeispiel Wylergut

Kontakt

Dr. Bettina Frei
Direktion + Stab
Expertise Rassimusprävention
+41 31 321 00 40