Gemeinsam Klasse werden
11.08.2026

Wimmelbild zwischen welten

© 2025 vatter&vatter

Was brauchen wir, damit sich alle in unserer Klasse wohl und zugehörig fühlen? Das Wimmelbuch «Zwischen Welten» und der neue didaktische Kommentar (erstellt von éducation21) laden Schülerinnen und Schüler dazu ein, über diese Frage nachzudenken – und das Zusammenleben in ihrer Klasse aktiv mitzugestalten.

Ein Klassenzimmer voller Kinder: Einige arbeiten konzentriert, andere unterhalten sich, spielen, lachen oder ziehen sich zurück. Diese Schulszene im Wimmelbuch «Zwischen Welten» könnte überall stattfinden. Tatsächlich befindet sich das Klassenzimmer in einer Kollektivunterkunft für geflüchtete Menschen.

Die Illustratorin Sofiia Borshch kennt diesen Alltag aus eigener Erfahrung. Sie ist aus der Ukraine geflüchtet und arbeitet als Klassenassistentin in der Schule einer Kollektivunterkunft. Mit ihren Bildern möchte sie nicht allein schwierige und traurige Erfahrungen zeigen, sondern auch die vielen schönen, komischen und alltäglichen Momente. Die Unterkunft erscheint dadurch als ein Ort voller Geschichten und Begegnungen.

Gerade die Doppelseite «Schule» bietet Kindern einen vertrauten Zugang zu einer möglicherweise unbekannten Lebenswelt. Denn in jeder Schule gibt es chaotischere und ruhigere Schultage. Kinder lernen, spielen und streiten miteinander. Sie möchten dazugehören, Freundschaften schliessen und sich sicher fühlen.

Ein Wimmelbild, viele Gesprächsansätze

Der gemeinsam von vatter&vatter und éducation21 entwickelte didaktische Kommentar für den Zyklus 1 und 2 greift diese Verbindungen auf. Im Zentrum steht die BNE-Leitfrage: «Was brauchen wir für ein ‹gutes› Zusammenleben – in unserer Klasse und anderswo?»

Zum Einstieg erkunden die Schülerinnen und Schüler das kostenlos verfügbare Wimmelbild, ohne zunächst zu wissen, welchen Ort es zeigt. Was gefällt dir? Was erstaunt dich? Wo möchtest du mitmachen? Spielerische Suchaufträge, Pantomime oder «Ich sehe etwas, was du nicht siehst» helfen dabei, genau hinzuschauen.

Anschliessend versetzen sich die Kinder in einzelne Figuren hinein. Sie erfinden Gespräche, ergänzen Sprech- und Gedankenblasen oder spielen Szenen nach. Dabei gibt es kein eindeutiges «Richtig» oder «Falsch»: Unterschiedliche Beobachtungen und Deutungen werden miteinander verglichen. Auch Gefühle wie Freude, Unsicherheit oder Einsamkeit können aufgegriffen werden. Was denkt ein Kind, das allein dasteht? Wie könnten andere reagieren?

Erst danach erfahren die Schülerinnen und Schüler, dass das Bild eine Kollektivunterkunft zeigt. So können sie ihre ersten Vermutungen überprüfen und darüber sprechen, was Heimat, Sicherheit und Zugehörigkeit für sie bedeuten.

Von der Beobachtung zur eigenen Klasse

Zum Schuljahresbeginn lässt sich die Unterrichtseinheit besonders gut mit der Gestaltung der neuen Klassengemeinschaft verbinden. Die Kinder überlegen gemeinsam:

Was brauchen wir, damit sich alle wohlfühlen? Wie helfen wir einander? Wie gehen wir mit Streit um? Welche Regeln unterstützen unser Zusammenleben?

Aus den Antworten entsteht eine gemeinsame Vision für die Klasse. Entscheidend ist, dass es nicht beim Gespräch bleibt: Die Schülerinnen und Schüler wählen konkrete Ideen aus, probieren sie im Alltag aus und überprüfen später gemeinsam, was funktioniert hat. Regeln werden damit nicht einfach vorgegeben, sondern partizipativ entwickelt und mitgetragen.

Der modulare Aufbau der Unterrichtseinheit ermöglicht Lehrpersonen, einzelne Sequenzen passend zu ihrer Klasse auszuwählen, zu kürzen oder zu erweitern. Für die gesamte Unterrichtseinheit sind ungefähr fünf Lektionen vorgesehen; einzelne Aktivitäten lassen sich aber auch unabhängig einsetzen. Das Wimmelbild bietet damit einen unkomplizierten, spielerischen Einstieg in zentrale Themen des neuen Schuljahres: einander kennenlernen, Perspektiven wechseln, Bedürfnisse aushandeln und gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Ein guter Schulstart beginnt nicht nur mit neuen Stundenplänen und Schulmaterialien. Er beginnt mit der Frage, wie aus vielen unterschiedlichen Kindern eine Klasse werden kann.

Wimmelbild + didaktischer Kommentar