Die Stadt der Kinder
Mädchen und Jungen eine Stimme geben für eine bessere Schule und eine bessere Stadt.
Kurzbeschrieb
«Kommt zu uns und sagt uns, was euch am Herzen liegt und was euch in der Verwaltung der Stadt gefallen würde und nützlich wäre, denn wir hören euch zu.»
Im Rahmen des Projekts «Die Stadt der Kinder» hat die Stadtregierung von Mendrisio zusammen mit der Gemeindeschule den «Kinderrat» ins Leben gerufen. Ein innovatives Instrument, das Schülerinnen und Schülern einen Raum bietet, in dem sie ihre Wünsche anbringen und diskutieren können sowie Lösungen finden und gemeinsam Projekte aufbauen können. Gleichzeitig entspricht der Kinderrat dem konkreten Bedürfnis der Gemeinde nach einem Gefäss, das die Zusammenarbeit mit den jungen Generationen und die Unterstützung ihrer Initiativen fördert.
Das Projekt ermöglicht es der Stadtregierung zudem, den Kindern mehr Beachtung zu schenken, die normalerweise keine Stimme haben und kaum je in Fragen der städtischen Governance einbezogen werden. Seit Beginn des Projekts ist auch die Gemeindeschule aktiv miteinbezogen, um Wege zur konkreten Umsetzung zu finden. So ist ein rund 15-köpfiges Gremium entstanden, das sich aus Schülerinnen und Schülern der 3., 4. und 5. Klasse der Primarschule zusammensetzt. Der Kinderrat diskutiert, präsentiert der Schule und der Gemeinde Ideen und Projekte und trägt durch deren Realisierung zur Entwicklung einer neuen Institutionskultur und Verwaltungskultur bei.
Bildungsziele
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Mädchen und Jungen eine Stimme geben und Gehör schenken
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Die Arbeit soll so gestaltet werden, dass die Kinder zu den Protagonistinnen und Protoganisten der Projekte und deren Ausführung werden. Gleichzeitig soll sie zu einem Perspektivenwechsel in der Schule und in der Gemeinde beitragen.
- Ziele in verschiedenen Fächern verfolgen
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Das Projekt ermöglicht es, Ziele in mehreren Fächern zu verfolgen. Im Fach Italienisch werden beispielsweise sowohl die Fähigkeit des Zuhörens als auch der mündliche Ausdruck gefördert. Zwei wichtige Kompetenzen, die die Eingliederung der Person in ein bestimmtes soziales, historisches und kulturelles Umfeld erleichtern.
- Austausch über Nachhaltigkeit
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Der Fokus des Projekts liegt auf der Diskussion und dem Austausch über diverse Themen bezüglich Nachhaltigkeit und gemeinsamer Verwaltung des Gemeindegebiets und der Schule. Dabei entsteht ein Gefühl der Zugehörigkeit, und die eigenen Werte sowie die Verantwortung für sich selbst und gegenüber anderen gewinnen an Bedeutung.
Zudem ermöglicht das Projekt den Mädchen und Jungen ein besseres Verständnis dafür, wie die Institutionen, denen sie angehören, funktionieren und wie Entscheidungsprozesse ablaufen. Wo werden Entscheidungen getroffen? Wer muss sie umsetzen? Wen betreffen sie? - Die transversalen Kompetenzen fördern
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Das Projekt ermöglicht die Entwicklung von überfachlichen Kompetenzen unter echten Bedingungen. Zudem fördert es die persönliche Entwicklung (Selbstkenntnis, Selbstvertrauen und Verantwortungsgefühl), die Zusammenarbeit und reflektierendes und kritisches Denken. Dabei stehen neben dem gemeinsamen Aufbau von Projekten auch das gegenseitige Zuhören und das bewusste Treffen von Entscheidungen im Mittelpunkt.
Besondere Stärken
- Schaffung eines Kinderrats
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Es wird ein Rat gegründet, in dem jede 3. und 4. Primarklasse aller Gemeindeschulhäuser im Bezirk Mendrisio durch eine Schülerin oder einen Schüler vertreten ist. Das Amt dauert zwei Jahre. Die Kinder müssen sich bewerben, ihre Kandidatur der Klasse vorlegen und begründen. Anschliessend werden sie am Election Day gewählt. Der Kinderrat versammelt sich einmal monatlich, legt der Gemeindeschulleitung und dem Stadtrat Themen und Projekte vor und verfügt über ein Budget für die Durchführung eigener Projekte. Die Vorschläge und Projekte werden auch in der Klasse diskutiert, die von den gewählten Schülerinnen und Schülern vertreten wird.
- Die Hauptakteure sind die Mädchen und Jungen
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Das Besondere an diesem Projekt liegt in der aktiven Einbeziehung einer Bevölkerungsgruppe, die generell kaum am öffentlichen Leben teilnimmt. Die Kinder sind die Hauptakteure und können sehen, dass ihre Stimme zählt. Ihre Vorschläge und Wünsche werden angehört, verstanden und beantwortet.
- Die transversalen Kompetenzen können in einem realen Kontext eingebracht werden
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Zusammenarbeit, Teilnahme, Verantwortung, Kreativität und persönliche Entwicklung zählen zu den wichtigsten überfachlichen Kompetenzen, die in allen Phasen dieses realitätsnahen und komplexen Projekts auf unterschiedliche Weise gefördert werden: von der eigenen Kandidatur als Klassensprecherin oder Klassensprecher im Kinderrat über die Entwicklung und Umsetzung von Projekten bis hin zu deren Begründung vor den Vertreterinnen und Vertretern der beiden Institutionen Gemeindeschule und Stadtregierung.
- Aktive Zusammenarbeit der gesamten Gemeindeverwaltung zugunsten der Kinder
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Die Gemeinde schenkt den Vorschlägen der Kinder Gehör und zeigt, dass diese Vorschläge wirklich in Betracht gezogen werden. Die Gemeindeverwaltung steht geschlossen zur Verfügung, um auf die Bedürfnisse und Wünsche der Schülerinnen und Schüler einzugehen. Die angesprochenen Gemeindedienste reagieren rasch. Damit bekunden Gemeinde und Stadtregierung ihre Bereitschaft, die Anregungen der Kinder ernst zu nehmen, ihnen mit Verständnis zu begegnen und zeitnah darauf zu reagieren.
Planung und Durchführung
Die formale Phase
Die erste Phase bestand im Beitritt der Stadtregierung zum internationalen Projekt «La città delle bambine e dei bambini» (”Die Stadt der Kinder”, Website available in Italian, Spanish, and English). Darüber wurde die Exekutive vom Departement Soziales und Gleichstellung in Kenntnis gesetzt. Die Gemeinde Mendrisio achtete sehr auf partizipative Verfahren, weshalb der Vorschlag des Departements Soziales und Gleichstellung vom Stadtrat positiv aufgenommen wurde.
Operative Phasen
- Die Schule als Interessenträgerin beiziehen
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- Die Gemeindeschulleitung wurde eingeschaltet: Auf Anfrage der Gemeinde wurde die Gemeindeschulleitung umgehend in das Projekt involviert, um bei der Einrichtung des praktischen Teils mitzuhelfen: der Schaffung des Kinderrats.
- Festlegung der Funktionsweise des Kinderrats: Es wurde genügend Zeit dafür aufgewendet, die diversen Bedürfnisse und Ansprüche des Kinderrats unter einen Hut zu bringen. Dazu gehören Form, Umfang und Betrieb (wie viele und welche Kinder engagieren, Zeitpunkt, Häufigkeit, usw.) sowie die Vertretung der diversen Schulhäuser aus den Quartieren.
- Teilnahme der Schülerinnen und Schüler am Projekt: Es wurde beschlossen, Schülerinnen und Schüler des Zyklus 2 jeweils im Zweijahresrhythmus (3./4. und 4./5. Klasse der Primarschule) einzubeziehen. So bleiben Kinder, die in der 3. Klasse gewählt werden, bis Ende der 4. Klasse, während jene, die in der 4. gewählt wurden, ihre Teilnahme Ende der 5. Klasse beenden.
- Zusammensetzung und Zweckmässigkeit des Kinderrats: Es wurde beschlossen, dass pro Klasse eine Vertreterin oder ein Vertreter im Kinderrat sitzt, d.h. je nach Jahrgängen besteht der Kinderrat aus 14 bis 16 Mitgliedern. Dies scheint die ideale Mitgliederzahl zu sein, damit jedes Ratsmitglied die Möglichkeit hat, zu Wort zu kommen, an den Diskussionen teilzunehmen und Entscheidungen zu treffen.
- Schaffung des Kinderrats und Festlegung des Election Day
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- Information und Einbezug der Schulklassen: Nachdem die Altersgruppe der Teilnehmenden festgelegt wurde, informierte die Gemeindeschulleitung die Schulklassen über die Schaffung des Kinderrats. Dabei erläuterte sie, worum es bei dem Projekt geht, welchen Einsatz es erfordert und wie wichtig es ist, mitreden zu können und somit sich für das Amt zu bewerben.
- Bewerbung der Schülerinnen und Schüler: Für eine allfällige Kandidatur müssen die Mädchen und Jungen gut vorbereitet sein. Sie sollen sich darüber klar werden, wie stark ihre Motivation ist, ihre Eltern um Erlaubnis bitten und überzeugend darlegen können, weshalb sie sich als gute Klassenvertreterin bzw. guten Klassenvertreter eignen.
- Organisation der Wahl: Der Beitritt in den Kinderrat erfolgt mittels Wahlen, die jeweils an einem festgelegten Tag (Election Day) stattfinden. Die Wahl aller Klassenvertreterinnen und Klassenvertreter findet in einem offiziellen Rahmen mit Wahlurnen und Stimmzetteln statt.
- Amtseinführung der Klassenvertreter/innen: Nach der Wahl werden die Kinderräte in ihr Amt eingeführt. Während dieser offiziellen Veranstaltung verleiht der Bürgermeister jedem gewählten Kind ein Attest und eine amtliche Bestätigung seiner Funktion.
- Tätigkeit und Projektrealisierung
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- Regelmässige Sitzungen: Der Kinderrat tritt einmal monatlich zusammen, um Themen und Projekte zu besprechen, die von den Ratsmitgliedern, den Schulklassen oder der Gemeinde vorgelegt wurden.
- Vorschläge und Projektbegleitung: Die eingereichten Projekte werden je nachdem der Gemeindeschulleitung oder dem Stadtrat vorgelegt, wo sie besprochen und zur Ausführung weitergeleitet werden.
- Finanzielle Unabhängigkeit: Dank einem eigens dazu bestimmten Budget können die Ratsmitglieder Projekte direkt angehen und durchführen, womit die Selbstverwaltung und Verantwortlichkeit der Kinder gefördert werden.
- Im Dialog mit der Klasse: Der oder die Vertreterin oder Vertreter jeder Klasse legt die Ideen, Diskussionen und Beschlüsse des Kinderrats den Mitschülerinnen und Mitschülern vor und bringt dann wiederum die in der Klasse erfolgten Diskussionen in die Ratsdebatte ein. Somit ist eine kollektive und demokratische Teilnahme gewährleistet.
- Einbezug der Lehrerschaft
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Ein wichtiger Aspekt ist der Einbezug der Lehrpersonen, die einige Herausforderungen annehmen mussten. Dazu gehören: einen Vormittag im Monat eine Schülerin oder einen Schüler vom Unterricht freistellen, damit sie oder er an den Sitzungen des Kinderrats teilnehmen können, die im «Casa delle generazioni» (Generationenhaus) stattfinden; den verpassten Unterrichtsstoff nachholen lassen; mit einer unvollständigen Klasse arbeiten; den Rückmeldungen aus den Kinderrat genügend Platz einräumen und die Themen in der Klasse besprechen.
Wichtig ist auch, dass die Schülerin oder der Schüler bei der Berichterstattung aus dem Kinderrat und bei der Motivierung der Klasse, sich mit Themen auseinanderzusetzen, die sie nicht direkt behandelt hat, unterstützt wird. All das setzt eine bestimmte Herangehensweise voraus (Struktur und Methode), um gewährleisten zu können, dass die Themen eingebracht werden und die Klasse entsprechend gefordert ist. Den Lehrpersonen gelang es die Voraussetzungen für ein gutes Gelingen des Informationsaustausches zu schaffen und die Kinder entsprechend vorzubereiten. Die Lehrpersonen wurden in die Projektkoordination miteinbezogen und ein Mitglied des Gemeindeschulrats wurde zum Co-Leiter des Projekts bestimmt, um den Bedürfnissen der Kinder bestmöglich gerecht zu werden. - Die Rolle der oder des Co-Leiterin/Co-Leiters im Kinderrat
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Die Co-Leiterin oder der Co-Leiter leistet wichtige Koordinationsarbeit und fungiert als Schnittstelle zwischen dem Kinderrat, den Lehrpersonen und den Schülerinnen und Schülern. Er oder sie sorgt dafür, dass die Schulklassen, welche im Kinderrat vertreten sind, immer gut informiert sind über alles, was im Kinderrat passiert. Die entsprechenden Themen werden in der Klasse besprochen und vertieft. Somit können die behandelten Themen angegangen und gut begründet in den Kinderrat zurückgeschickt werden. Der oder die Co-Leiterin oder Co-Leiter ist also eine Person, die vermittelt, verbalisiert und den anderen Lehrpersonen die besprochenen Themen unterbreitet (Berichterstattung unter Erwachsenen), sodass die Ereignisse in der Klasse für alle Kinder verständlich sind und nicht nur für die Ratsvertreter/innen.
- Funktionsweise des Kinderrats
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Der Kinderrat tagt einmal monatlich in Anwesenheit von Vertretern der beiden oben genannten Departemente. Die erste Sitzung des Zweijahreszyklus dient dem gegenseitigen Kennenlernen und den Recherchen nach Themen aus den Bereichen Schule, Quartier und Stadt. Dem Kinderrat wird bei der Festlegung dieser Themen eine gewisse Autonomie eingeräumt. Der oder die Co-Leiterin oder Co-Leiter unterstützt und leitet die Ratsmitglieder bei diesem Prozess. Im Laufe des Jahres treffen sich die Ratsmitglieder zudem zweimal mit dem Stadtrat und zweimal mit der Gemeindeschulleitung, um ihre Themen und Anträge zur Governance der Stadt oder der Schule darzulegen. So lernen sie, die Funktionen und Aufgaben der Gemeindeschulleitung und des Stadtrats auseinanderzuhalten und ihren eigenen Handelsspielraum zu erkennen. Der Kinderrat verfügt zudem über ein Budget von CHF 5'000.- für eigene Projekte.
Nachdem die festgelegten Themen im Rahmen des Kinderrats behandelt worden sind, bringen die Vertreterinnen und Vertreter die behandelten Themen vor die Klasse. So können die Themen auch von den anderen Klassenkameradinnen und Klassenkameraden angegangen werden. Die neuen Inputs aus der Klasse werden dann an der nächsten Sitzung des Kinderrats vorgebracht, sodass auch die Mitschülerinnen und Mitschüler im Rat eine Stimme haben. Die Lehrpersonen, die von der Co-Leiterin oder dem Co-Leiter die entsprechenden Informationen erhalten, planen im Unterricht die nötige Zeit ein, um die im Kinderrat verrichtete Arbeit der Klasse vorzustellen und mit ihr zu besprechen. Diese Zeit ist ein integrierter Bestandteil des Projekts. Zudem werden die Protokolle der Kinderratssitzungen an alle Lehrpersonen der Gemeindeschule verteilt, sodass alle über die Arbeit des Kinderrats auf dem Laufenden sind und auch in ihrer Klasse darüber thematisieren können. - Projekte des Kinderrats
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In den vorgeschlagenen Projekten geht es in der Regel um die Schule im Kontext der Stadt und der Welt. Dies weil die Schule im Alltag der Kinder fest verankert ist. Umweltfragen spielen eine wichtige Rolle. So sind zum Beispiel städtische Wärmeinseln rund um die Schule ein häufiges Thema in den Gesprächen mit Gemeindeschulleitung und Stadtregierung. Diese werden aufgefordert, sich für weniger Beton in Schulhausnähe und – wo möglich – mehr Grünanlagen einzusetzen. In diesem Sinne wurden bereits einige wichtige Projekte realisiert.
Renovierung des Spielplatzes in Genestrerio
Angesichts der Notwendigkeit, den Spielplatz im Stadtteil Genestrerio zu renovieren, um ihn inklusiver und auch für Menschen mit Behinderungen zugänglich zu machen, hat die Gemeinde Mendrisio die Kinder aktiv einbezogen und sie gebeten, Ideen zu entwickeln. Die Mädchen und Jungen haben mit konkreten Lösungen zum Projekt beigetragen. Und damit die Neuerungen allen verständlich sind, haben sie Beschilderungen ausgearbeitet, die erklären, wie der Park von allen Besuchern optimal genutzt werden kann.
Sensibilisierungskampagne für Autofahrer
Ausgangspunkt dieser Kampagne war die Feststellung der Kinder, dass vor allem morgens bei Schulbeginn und nach der Schule, die Autos zu schnell an den Schulhäusern vorbeifahren. So hat der Kinderrat beschlossen, eine Plakatkampagne zu starten, die Autofahrende dafür sensibilisieren soll, langsamer zu fahren und mehr auf die Kinder zu achten.
Umgestaltung Aussenanlagen der Primarschule Canavée
Die Idee zur Umgestaltung des Schulplatzes stammt von den Kindern, die den Wunsch äusserten, einen Platz mit weniger Asphalt, dafür mit einem Zugang zum angrenzenden bewaldeten Hügel zu haben. Die Stadtregierung und die Gemeindeschulleitung entsprachen diesem Wunsch und initiierten ein Partizipationsprojekt zur Neugestaltung der Aussenanlagen, das auf gegenseitigem Zuhören und gemeinsamer Planung beruhte.
In das Projekt wurden neben dem Kinderrat auch andere Kinder einbezogen. Diese forderten, dass alle Schülerinnen und Schüler des Primarschulhauses Canavée am Projekt teilnehmen können. Aus dem partizipativen Prozess entstand die Forderung nach einem Schulhof mit Schattenzonen zum Ausruhen und Zusammensein und einem direkten Zugang zum angrenzenden bewaldeten Hügel. Nach Abschluss der Arbeiten bestand der Schulplatz aus weniger Asphalt und wurde durch einen begrünten Hügel mit Freizeiteinrichtungen aufgewertet. Zudem erhielt der untere Bereich des Waldhügels neue Wege, und die am Fuss gelegene Zone – «Balze» genannt – wurde erweitert. Abschliessend pflanzten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam neue einheimische Bäume und Sträucher.
Ein Augenmerk auf Nachhaltigkeit
Die Mädchen und Jungen des Kinderrats achten besonders auf Nachhaltigkeit. Immer wieder weisen sie die Gemeindeschulleitung darauf hin, wie wichtig es ist, Verschwendung zu vermeiden und bewusst zu handeln, zum Beispiel beim Gebrauch von Papier. Sie gehen mit gutem Beispiel voran und benutzen Altpapier für ihre Zeichnungen. Zudem haben sie veranlasst, dass auf dem Pausenplatz aller Schulhäuser gut sichtbar eine Recyclingzone mit Behältern für die Abfalltrennung eingerichtet wird. Sie setzen sich auch dafür ein, dass bei externen Aktivitäten und Schulreisen möglichst wenig Abfälle anfallen. Solche Ausflüge sind heute fast ohne Abfallproduktion möglich.
Organisation
- Der Kinderrat
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Der Kinderrat setzt sich zusammen aus einer Vertreterin oder einem Vertreter der 3. 4. und 5. Primarklasse der Gemeindeschule Mendrisio. Das Mandat dauert zwei Jahre. Die Mädchen und Jungen müssen sich bewerben, ihre Kandidatur der Klasse vorlegen und sie begründen. Am Election Day werden sie dann gewählt. Der Kinderrat versammelt sich einmal monatlich, legt der Gemeindeschulleitung und dem Stadtrat Themen und Projekte vor und verfügt über ein Budget für die direkte Durchführung eigener Projekte. Die Vorschläge und Projekte werden auch in der Klasse diskutiert, die die Schülerinnen und Schüler vertreten.
- Gemeindeschule Mendrisio
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Die Gemeindeschulen bestehen aus rund 800 Schülerinnen und Schülern, wovon ca. 300 die 3., 4. und 5. Klasse der Primarschule besuchen und auf verschiedene Weise aktiv am Projekt teilnehmen. Der Lehrkörper besteht aus 60 Lehrpersonen, wovon 16 direkt im Projekt tätig sind.
- Teilnehmende Akteure
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- Schülerinnen und Schüler des Zyklus 2 (3., 4. und 5. Primarklasse) der Gemeindeschule Mendrisio
- Lehrpersonen der Primarschule
- Gemeindeschulleitung
- Departement Bildung und Betreuungsdienste
- Departement Soziales und Gleichstellung
- Stadtrat
- Weitere Departemente bei spezifischen Fragen wie das Departement Planung und das technische Büro für die Realisierung der Projekte
- Die Eltern, die über das Projekt informiert werden und ihre Zustimmung für die Teilnahme ihrer Tochter oder ihres Sohnes im Kinderrat geben.
- Budget und Finanzierung
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5'000 CHF von der Stadtregierung für den Kinderrat, 5'000 CHF von der Schule für Stellvertretungen, Transport und Material.
Pädagogische Methoden
- Kinderrat und aktive Teilnahme
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Alle Schülerinnen und Schüler im Kinderrat haben die Möglichkeit, ihre Ideen einzubringen, Wünsche und Meinungen zu äussern sowie Projekte vorzuschlagen. Ihre Stimme wird dann von der Gemeindeschulleitung und der Stadtregierung angehört. Zudem können sie direkt und in Eigenverantwortung an der Erarbeitung und Ausführung der einzelnen Projektphasen zu einem von ihnen gewählten oder von der Gemeinde vorgegebenen Thema teilnehmen. Sie können so aktiv zu den Entscheiden der Gemeinde und der Schule beitragen und ihre aktive Bürgerschaft wahrnehmen.
- Fallbeispiel
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Analyse einer realen, komplexen Situation, die die Schülerinnen und Schüler erlebt haben, und Festlegung konkreter Massnahmen, um das Problem zu lösen.
- Projektpädagogik
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Lösung eines konkreten Problems (zum Beispiel Papierverschleiss) durch die Realisierung eines Projekts.
- Diskussion und Zusammenarbeit
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Vorschlag, Informations- und Meinungsaustausch zu einem bestimmten Thema oder Problem und gemeinsame Suche nach einer Lösung.
Beurteilung
Die Auswertung des Projekts erfolgt auf mehrere Arten und auf mehreren Ebenen.
- Selbsteinschätzung: erfolgt innerhalb des Kinderrats und betrifft Funktionsweise und Vorgehen.
- Formative Bewertung: Die Schule bewertet den Erwerb der transversalen Kompetenzen, die im Projekt gefragt waren, sowie deren Anwendung seitens der Kinder, zusätzlich zu den Zielsetzungen in den einzelnen Fächern wie zum Beispiel im Italienischunterricht.
- Weitere Bewertungen: Die Gemeinde bewertet die vorgelegten und ausgeführten Projekte und den Stand der laufenden Arbeiten des Kinderrats.
Herausforderungen für den/die Befragte/n
- Welche Schülerinnen und Schüler sollen in das Projekt involviert werden?
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Eine erste wichtige Frage ist, wer in den Kinderrat geholt werden soll. Kindergartenkinder haben zweifellos interessante Ideen und nehmen die Welt aus ihrer Sichtweise wahr. Andererseits haben sie noch grosse Mühe, ihre Bedürfnisse klar auszudrücken. Es ist daher eher schwierig, diese Altersklasse aktiv in das Projekt einzugliedern. Deshalb liegt der Fokus auf der Primarschule. Ideal wäre eine Vertreterin oder ein Vertreter pro Klasse. Allerdings ist dabei auf die Gesamtzahl der Teilnehmenden zu achten. Sitzen zu viele Kinder im Kinderrat, kann dies dessen Funktionsweise beeinträchtigen. Die Anzahl der Teilnehmenden sollte die Schülerzahl einer Schulklasse nicht übersteigen. Im Fall der Gemeindeschule Mendrisio würde eine Vertretung pro Klasse (1.–5. Primarstufe) insgesamt 32 Ratsmitglieder ergeben. Angesichts der über das Gemeindegebiet verteilten Schulhäuser ist das zu viel.
Es wurde daher beschlossen, nur Schülerinnen und Schüler des Zyklus 2 einzubeziehen, was je nach Altersklasse 14 – 16 Kindern entspricht. Das ist eine angemessene Zahl, die ein gutes Feedback in die Klassen garantiert. Der Vorteil dieses Vorgehens ist, dass alle die Möglichkeit haben, dem Kinderrat beizutreten und bereits ab der 1. Primarschulklasse über das Projekt informiert werden. So können sie auf guter Basis entscheiden, ob sie aktiv daran teilnehmen möchten oder nicht. - Bei der gesamten Schülerschaft das Interesse wachhalten
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Für die Klasse als Ganzes hat der Kinderrat eine geringere Bedeutung als für diejenigen, die in den Kinderrat gewählt wurden und ihn daher aus erster Hand kennen. Es ist also wichtig, der Klasse ein Gefühl der Einbindung und Mitbestimmung zu geben, indem gemeinsam Themen diskutiert und Beschlüsse gefasst werden, die dann von der Klassenvertretung in den Kinderrat gebracht werden. Trotzdem ist es wohl nicht zu vermeiden, dass sich einige Schülerinnen und Schüler weniger betroffen fühlen.
- Einschränkungen und logistische Probleme
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In grösseren Gemeindeschulen mit mehreren auf das ganze Gemeindegebiet verteilten Schulhäusern stellen Logistik und Organisation eine beachtliche Herausforderung dar, die nicht immer leicht zu meistern ist. Folgende Aspekte müssen unbedingt beachtet werden:
- Organisation der Schülerbeförderung
- Abwesenheiten der Kinder an den Sitzungen des Kinderrats, Arbeitsorganisation und die Rückmeldung der im Kinderrat besprochenen Themen an die Klasse
- Information an den gesamten Lehrkörper über die Arbeit im Kinderrat
- Organisation von Stellvertretungen für Lehrpersonen, die sich an den Arbeiten des Kinderrats beteiligen
- Vergabe der nötigen Finanzmittel.
Einfach umzusetzen ?
Ein strukturiertes Projekt ermöglicht es den Kindern, sich konkret in die Rolle einer aktiven Bürgerschaft zu versetzen und einen nützlichen Beitrag zur Governance der Stadt und zur Organisation des Schulalltags zu leisten. Die Realisierung eines solchen Projektes ist allerdings zeitaufwändig und verlangt grossen Einsatz seitens aller Beteiligten, sowie einen starken politischen Willen und eine strukturierte und institutionalisierte Organisation. Das Projekt kann die Schulkultur mittel- und langfristig beeinflussen und als kennzeichnendes Element zur Definition einer klaren Identität und Politik beitragen. Bevor man ein solches Projekt angeht, sollte man sich versichern, dass Schule und Gemeinde davon überzeugt sind. Sollte die Gemeinderegierung nicht bereit sein, das Projekt zu unterstützen, kann man in einem einfacheren Rahmen beginnen, zum Beispiel mit der Gründung eines Schülerrats innerhalb des Schulhauses oder mit anderen internen Formen der aktiven Teilnahme.
Dokumente zum Download
Webseite des Mendrisio-Projekts (nur auf Italienisch)Der Kinderrat konstituiert sich in Mendrisio (nur auf Italienisch)
Link zur Präsentation des Workshops Nr. 5 anlässlich der «Giornata ESS 2025»
Artikel “La Regione” (2024) (nur auf Italienisch)
Artikel “L’informatore” (2024) (nur auf Italienisch)
Video RSI (2024) (nur auf Italienisch)
Umgestaltungsprojekt der Aussenanlage Canavée (nur auf Italienisch)
Artikel “Tio.ch” (2025) (nur auf Italienisch)
