Spiel und BNE

Die Schule soll die Lernenden auf den Umgang mit einem komplexen und sich wandelnden Umfeld vorbereiten. BNE fördert die Kompetenzen, die dazu notwendig sind. Das Spiel wiederum eröffnet Möglichkeitsräume, in denen Lernende Unsicherheit im geschützten Rahmen begegnen, Prozesse gestalten und Zukunft erproben können. Warum passen Spiel und BNE gut zusammen? Was kennzeichnet ein Spiel? Wie eröffnet das Spiel Möglichkeitsräume für zukunftsorientiertes Lernen und wie wird es in Schule und Unterricht sinnvoll eingebettet?
- Sechs gute Gründe für Spiel und BNE
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Spiel als Methode für den BNE-Unterricht
Spielen eröffnet einen geschützten Möglichkeitsraum, in dem Schülerinnen und Schüler systemische Zusammenhänge erkennen, Perspektiven wechseln, Handlungsoptionen ausprobieren und Zukunftsentwürfe entwickeln können.Spiel verbindet Denken, Fühlen und Handeln
Im Spiel denken, fühlen und handeln Schülerinnen und Schüler gleichzeitig. Das hilft mit, Zusammenhänge besser zu verstehen und unterstützt die Handlungsorientierung. Emotionen vertiefen das Lernen und Reflektieren und verankern Gelerntes länger im Gedächtnis.Spiel fördert zentrale BNE-Kompetenzen
Spielen bedeutet kooperieren, systemisch denken, Perspektiven wechseln und Entscheidungen in unsicheren Situationen treffen. Damit ist Spiel ein wirksamer Schlüssel zur Förderung jener Kompetenzen, die im BNE-Verständnis im Zentrum stehen.Spiel ist für alle Altersstufen geeignet
Richtig eingebettet und zielgerichtet eingesetzt, eignet sich das Spiel für alle Schulstufen und Lernniveaus und ermöglicht Lernprozesse über reale Zukunftsfragen.Spiel fördert Reflexion
Lernwirksames Spiel braucht Vorbereitung und klare Lernziele. Spiel bietet aber auch einen idealen Raum für Reflexion. Durch das gemeinsame Nachdenken über Erlebnisse, Gefühle und Entscheidungen, die die Schülerinnen und Schüler während des Spiels beschäftigt haben, wird aus dem Spiel nachhaltiges Lernen.Spiel stärkt eine mutige, zukunftsorientierte Schulkultur
Spiel lädt dazu ein, Neues auszuprobieren, und Erfahrungen zu sammeln. Es unterstützt eine Schule, die sich entwickeln, lernen und Dinge ausprobieren will, die allen Schulakteure/innen Partizipation ermöglicht und das Schulumfeld aktiv miteinbezieht. - Was ist ein Spiel?
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Woran erkennt man ein Spiel überhaupt? Dazu schlägt Brougère (2005) fünf Kriterien vor:
Die Denkfigur des «So tun als ob»
Wenn ein/e Spieler/in sagt, er oder sie «sei ein Drache», wissen die anderen, dass das nicht wirklich stimmt. Das Spiel eröffnet einen magischen Raum, in dem die Realität vorübergehend ausgeklammert wird.Unbeschwertheit2 : «Es ist nur ein Spiel!»
Man gewinnt, verliert, irrt sich … ohne Folgen für das reale Leben. Das Spiel ermöglicht es, verschiedene Szenarien auszuprobieren, ohne Angst vor den Konsequenzen zu haben, wenn das Spiel vorbei ist.Entscheidung: «Spielen wir?»
Jede und Jeder ist frei, diese Einladung anzunehmen oder abzulehnen. Danach treffen die Spielenden im Rahmen der Regeln Entscheidungen, um das Spiel voranzubringen.Regel: «So macht das keinen Sinn mehr!»
Wenn jemand schummelt, funktioniert das Spiel nicht mehr. Regeln dienen dazu, Handlungen zu koordinieren und den Entscheidungen aller Beteiligten Sinn zu verleihen.Ungewissheit: «Es ist noch alles offen!»
In einem Spiel kann es zu überraschenden Wendungen kommen: Der Ausgang ist ungewiss, und bis zum Schluss bleibt alles möglich. Gerade das trägt wesentlich zur Spielfreude bei. - Spiel als Möglichkeitsraum
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Das Spiel bietet einen «Möglichkeitsraum», der es erlaubt, komplexe Systeme zu simulieren, Zielkonflikte auszuhalten und Alternativen zu erproben. In Simulationen, Rollen- oder Planspielen übernehmen Lernende Rollen aus Politik, Wirtschaft oder Interessengruppen. Sie verhandeln Anliegen, erleben Machtverhältnisse und Abhängigkeiten und erfahren die Folgen ihrer Entscheidungen unmittelbar. So trainiert Spielen Handlungsfähigkeit: Wie treffe ich Entscheidungen unter Unsicherheit? Wie gehe ich mit widersprüchlichen Zielen um? Wie kooperiere ich unter Druck? So trainieren Schülerinnen und Schüler Kompetenzen wie Handlungsfähigkeit, Perspektivenwechsel, Kompromiss- und Anpassungsfähigkeit und erleben, dass ihr Umfeld und die Zukunft gestaltbar sind.
- Spiel als Methode für BNE
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Ein Problem lösen, eigene Entscheidungen bewerten, Emotionen regulieren: All das sind BNE-Kompetenzen, die sich durch das Spiel fördern lassen. Gerade deshalb ist es eine besonders geeignete Methode.
Wir empfehlen Lehrpersonen:
- den Mehrwert des Spiels im Hinblick auf ihre BNE-Lernziele zu klären,
- ein Spiel auszuwählen unter Berücksichtigung
- der BNE-Kompetenzen, zu deren Entwicklung es beiträgt,
- der thematischen BNE-Inhalte, die sich damit erschliessen lassen,
- eine BNE-Leitfrage als roten Faden zu verwenden,
- auf das Spiel eine Reflexionsphase folgen zu lassen, in dem das Spielerlebnis und mögliche Lernprozesse thematisiert werden,
- Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung einzubeziehen, die im Spiel selbst nicht angesprochen wurden,
- das Spiel in eine Reflexion einzubetten, die Perspektiven auf wünschenswerte Zukünfte eröffnet.
In Verbindung mit BNE trägt Spiel als Methode dazu bei, die Schulen zukunftsfähig zu machen, Lehrpersonen gewinnen didaktische Vielfalt, und Lernende erschliessen sich neue, erfahrungsbasierte Zugänge zu komplexen Themen.
- Spiel in Schule und Unterricht
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In der Schule erhält das Spiel pädagogische Zielsetzungen und wird zu einer hybriden Praxis zwischen Spiel und Lernen. Dabei verändern sich einige Kriterien: Die Entscheidung, ob gespielt wird oder nicht, liegt oft nicht mehr bei den Lernenden, sondern bei der Lehrperson, die das Spiel vorschlägt. Die mit dem Spiel verbundene Unbeschwertheit kann durch die Aussicht auf eine spätere Bewertung beeinträchtigt werden. Auch die zugrunde liegenden Lernziele können den ungewissen Ausgang und damit die Spielfreude einschränken. Die Herausforderung für Lehrpersonen besteht daher darin, das Spiel nicht nur in ein blosses didaktisches Werkzeug zu verwandeln, sondern Bedingungen zu schaffen, unter denen es seine wesentlichen Merkmale behält und gleichzeitig Lernintentionen dient.
Ein Lernerfolg durch das Spiel hängt also stark vom Kontext, den Rahmenbedingungen und den beteiligten Personen ab. Eine zentrale Rolle kommt der Lehrperson zu: Sie entscheidet über die didaktische Einbettung, die Passung zum Entwicklungsstand der Lernenden, die Anbindung an Kompetenzen, die fachliche Validität sowie über eine abschliessende Reflexionsphase. Wird Spiel im Sinne des Whole School Approach (WSA) als Lernmethode und Teil der Schulkultur verankert, stärkt dies den Handlungsspielraum der Lehrpersonen.